Die Menschheit steht vor einem Meilenstein - und keiner merkt es

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    • Die Menschheit steht vor einem Meilenstein - und keiner merkt es

      Mit dem Raumfahrttourismus steht die Menschheit an der Wende zu einem neuen Selbstverständnis. Denn Mann und Frau müssen abheben, um auf dem Boden der Tatsachen anzukommen.

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      Die Erde (kleiner weißblauer Punkt schräg halbrechts oben im Bild) aufgenommen von Voyager 1 aus nahezu 6 Milliarden km
      Abstand, also jenseits von Pluto. (Foto: NASA)

      Warum sind wir, statt vielmehr nicht? Diese Frage geht an die Wurzeln Jahrtausende alter philosophischer, theologischer und sogar wissenschaftlicher Überlegungen. Jeder Mensch stellt sich diese Frage irgendwann einmal im Leben. Sie geht Hand in Hand mit den metaphysischen Fragen: "Was ist der Sinn unseres Lebens?" und "Was ist mein Platz im Universum?"

      Die Ansichten zu diesem Selbstverständnis des Menschen im Universum haben sich über die Jahrtausende zwar leicht geändert, sind im Wesentlichen jedoch gleichgeblieben. Der Schweizer Autor Ralph Boller drückte es einmal so aus: "Technisch gehören wir zur Raumpatrouille, ethisch stecken wir noch in der Steinzeit." Wir leben in einer modernen Zeit, aber pflegen die Ansichten der Antike, die in unserer Kultur fortlebt.

      Das Weltbild der Antike
      Die Welt in der Antike sah folgendermaßen aus. Die Welt war der mediterrane Raum um das Mittelmeer, mit irgendwas drum herum, was aber nicht weiter interessierte. Griechenland war die menschliche Zivilisation schlechthin, der Rest der Welt waren Barbaren. Und der Nabel dieser zivilisierten Welt war Delphi, eine Kultstätte im Parnass-Gebirge Griechenlands. Dort saß im Apollon-Tempel die weissagende Priesterin Pythia, von der sich zum Beispiel Feldherren vor einer großen Schlacht den günstigsten Zeitpunkt und deren Ausgang vorhersagen lassen konnte. Jedoch stets in rätselhaften Worten, wie sich das für Weissager geziemt, auf die man sich seinen Reim machen musste. Jeder der die Mystik jener Zeit nachvollziehen will, sei empfohlen, Delphi zu besuchen. Diese Kultstätte hat was.

      Die Meinung, die alten Griechen glaubten, die Erde sei eine Platte, die an ihrem Rand nur aus blauen Meeren bestünde und am Horizont logischerweise in den blauen Himmel übergeht, der Himmel also eine Fortsetzung der Meere sei, auch deswegen, weil aus ihm Wasser (Regen) fällt, liegt falsch. Die Griechen waren durchaus gute Beobachter. So erkannten sie bereits, dass man von Schiffen, die am Horizont verschwinden, zuletzt die Spitze der Masten sieht, woraus sie richtigerweise schlossen, dass die Erde rund sein müsse. Doch die andere Seite der Erde, die so genannten Antipoden, konnten natürlich nicht von Menschen und Tieren bewohnt sein, so meinten viele, weil die sonst durch die Schwerkraft, die natürlich immer nach "unten" weist, herunterfallen würden. Daher waren die vom Mittelmeerraum weit entlegenen Teile absolut uninteressant.

      Aufgeklärt, aber kein Deut schlauer
      Wir sind heute aufgeklärt genug, um zu wissen, dass es Menschen an den Antipoden (Australien) gibt, weil unten relativ ist. Unten ist gravitativ nämlich immer die Richtung zum Mittelpunkt der Erde. Ein Gedanke, der den Menschen in der Antike fremd war, denn Richtungen wie oben und unten waren für die alten Griechen absolut. Unten war die Erde mit seinem Zentrum Delphi, darüber war die Atmosphäre, dann kam irgendwann der Mond und jenseits des Mondes kreisten die Sonne und die Planeten um die Erde. Alles kreist offensichtlich um die Erde (schauen Sie doch einfach mal mit dem Fernrohr in den Himmel, dann werden sie es selber sehen). Alles deutliche Zeichen dafür, dass die Erde der von Gott geschaffene Mittelpunkt des Universums ist.

      Und dann ist da noch die suggestive Kraft der Selbstwahrnehmung. Schauen Sie sich doch nur um. Ist es nicht so, dass aus meinem Blickwinkel sich die ganze Umwelt um mich im Mittelpunkt herum drapiert? Ich stehe im Mittelpunkt!

      Das ist die unheilvolle Mischung, aus der sich unser Selbstverständnis seit der Antike speist und von der christlichen Kultur über Jahrtausende bis heute befeuert wurde. Unsere Erde ist im Mittelpunkt des Universums, jeder Mensch steht im Mittelpunkt, geschaffen von Gott und als sein Ebenbild – die Krone der Schöpfung. Das ist die kosmische Bedeutung, die sich die Menschheit bis heute anmaßt.

      Die Bilder der Raumfahrt ändern das Denken
      "Alle solche Anschauungen entspringen der Selbstüberhebung und werden am besten durch ein wenig Beschäftigung mit der Astronomie korrigiert", meinte der von mir sehr geschätzte Literaturnobelpreisträger und Wissenschaftsphilosoph Bertrand Russell. Astronomie war das Beste, was man bis in die 50er Jahren machen konnte. Heute können wir in den Weltraum reisen und die Erde aus einer ganz anderen Perspektive betrachten. Eine Ikone dieser ganz anderen Selbstbetrachtung ist das Bild "The pale blue dot", unsere Erde aufgenommen von der Voyager-Sonde, bereits nach dem Verlassen unseres Planetensystems.

      Erst so ein Bild macht unsere absurde Denkweise klar, wenn wir zum Bespiel fragen: Wo beginnt der Weltraum? Eine Frage, die mir oft gestellt wird. Dies Frage spiegelt unser Steinzeitdenken wieder: Wir sind der Mittelpunkt, dort oben über uns ist der Rest der Welt und da irgendwo muss auch der Weltraum beginnen. Tatsächlich ist der Weltraum überall und damit unser Zuhause! Wir sind nicht das Zentrum des Universums, sondern lediglich ein unscheinbares Sandkorn darin, das nicht die geringste Rolle in diesem Universum spielt!

      Solche Bilder rütteln auf. Erst sie katapultieren uns aus der Antike in die Moderne. Die Religionen und mit ihnen unsere kulturelle Bildung, die Schulen, müssen diese Denkweise inhalieren und sich zu eigen machen. Das sind die Themen, die die Feuilletons unserer Zeitungen füllen sollten und nicht die antiken und modernen Komödien, die die angeblich so erhabene humanistische, tatsächlich unsere antike anthropozentrische Denkweise schüren.

      Man muss die Erde aus dem All schon mit den eigenen Augen sehen
      Aber die Feuilletonisten dieser Welt werden das nicht schaffen, nicht einmal wollen, zu tief sitzt die tradierte Denkvorstellung: Der Mensch sei das Maß aller Dinge. Erst wenn Weltraumtouristen in großer Zahl unseren Heimatplaneten von außen sehen werden, wird ein Bewusstwerdungsprozess folgen, der sich in seiner Intensität durchaus mit jenem messen lässt, der einsetzte, als die Menschen sich selbst im Spiegel zu betrachten begannen. Daher begrüße ich den anstehenden Weltraumtourismus in all seinen Facetten.

      "Die Menschheit muss sich über die Erde erheben – zum Gipfel der Atmosphäre und darüber hinaus – denn nur so werden wir die Welt völlig verstehen, in der wir leben." Socrates, 500 v. Chr.


      Quelle
      mFg leech :thumbup: